
Wer wir waren
2016 waren wir beide nicht die Menschen, die wir heute sind.
Ich war unsicher. Selbstbewusstsein ein Fremdwort für mich. Unsicherheit zog sich durch meine Ausbildungen, Freundschaften und Familie. Ich war oft die, die nachgab und es allen recht machen wollte. Meinen eigenen Weg klar zu gehen, fühlte sich kaum möglich an. Ich passte mich an. Bloß nicht anecken. Bloß nicht zu viel sein. Wirklich frei fühlte ich mich nicht. Ich funktionierte.
Jan war anders. Er ging offen auf Menschen zu, sang laut und brachte Leichtigkeit in Räume. Mit ihm war es selten still. Er packte Dinge an, statt lange darüber zu grübeln. Er glaubte schon immer daran, dass man das, was man aussendet, auch zurückbekommt. Dieses Vertrauen ins Leben hatte er schon immer. In vielen Dingen war er mir voraus. Nicht perfekt. Aber klarer.
Rückblickend waren wir beide auf unsere Weise am Suchen. Ich eher leise und angepasst. Er war lebensfroh und voller Energie. Zwei unterschiedliche Arten, mit dem Leben umzugehen. Und doch fehlte uns beiden etwas, das wir erst später verstanden haben.
Was die Beziehung für uns beide hervorbrachte
Durch unsere Beziehung habe ich zum ersten Mal erlebt, wie sich Sicherheit anfühlen kann. Nicht, weil Jan mich gerettet hat. Sondern weil ich begann, mich selbst ernster zu nehmen. Mit dieser Sicherheit begann ich zu wachsen.
Yoga, Meditation und Achtsamkeit waren für mich keine Trends. Sie wurden Werkzeuge. Schritte hin zu mehr Selbstvertrauen. Schritte hin zu mehr Klarheit. Ich lernte, Dinge und Menschen loszulassen, die mir nicht guttaten. Langsam entstand eine stabilere Version von mir.
Auch für Jan veränderte sich etwas. Nach allem, was er in seinem Leben erlebt hatte, war Verlässlichkeit für ihn nicht selbstverständlich. Mit mir spürte er eine Ruhe, die nicht laut war. Eine Form von Sicherheit, die nichts beweisen musste. Zu wissen, dass ich bleibe. Dass ich nicht gehe, wenn es schwierig wird. Das gab ihm inneren Frieden.
Wir wuchsen. Als Paar und jeder für sich.
Was uns den Boden unter den Füßen wegzog
Wir dachten, wir hätten schon einiges gemeinsam gemeistert. Höhen und Tiefen hatten uns stärker gemacht. Doch dann kam Jans Burnout. Und aus Erschöpfung wurde mehr. Die Diagnose Depression veränderte alles.
Depression bedeutet nicht nur traurig oder überfordert zu sein. Es bedeutet, Entscheidungen treffen zu müssen, wenn der Kopf leer ist. Termine wahrzunehmen, wenn selbst Aufstehen Kraft kostet. Sich durch Strukturen kämpfen zu müssen, die Energie verlangen, die nicht mehr da ist.
Aus meinem lebensfrohen, singenden Mann wurde ein stiller Mensch, der sich zurückzog. Wochen ohne Lachen. Panikattacken. Viel Zeit zuhause. Die Rollen verschoben sich. Und ich musste lernen, Halt zu geben, wo ich selbst noch wackelte.
Fünf harte Jahre liegen hinter uns. Therapie, Hoffnung, Rückschritte. Auch körperliche Folgen von dauerhaftem Stress kamen dazu. Und immer wieder diese Frage: Wie lange kann ein Mensch so weiterkämpfen?
Irgendwann merkten wir, dass wir nicht nur gegen eine Krankheit kämpfen. Wir verloren uns dabei. Und wir wussten, dass wir etwas Grundlegendes ändern müssen, wenn wir uns nicht ganz verlieren wollen.
Wer wir heute sind
Heute reisen wir nicht, um wegzulaufen.
Sondern um bewusst zu leben.
Nicht perfekt. Nicht geheilt. Aber klarer.
Wir haben uns entschieden, Gesundheit über Tempo zu stellen. Beziehung über Erwartungen. Bewusstsein über Funktionieren. Unser Weg ist nicht geradlinig. Aber er ist ehrlich.

